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Vegan – Ein Blick über den Tellerrand

Vegan

Eine kleine Anekdote aus meinem früheren Berufsalltag: Es ist Freitagnachmittag und allmählich leert sich das Büro und die Kollegen verabschieden sich in das Wochenende. Wir sitzen zu fünft in unserem Großraumbüro und starren, jeder für sich, in seinen Bildschirm. Manuela, eine Kollegin kommt zu uns in das Büro und lädt uns auf ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte ein, die sie am Vortag gebacken hat. Eine willkommene Abwechslung um den Arbeitstag etwas zu versüßen. Wir folgen ihr in die Cafeteria und essen bei einer Tasse Kaffee ein Stück Kuchen. Manuela kann backen: Die Creme der Torte schmeckt herrlich locker und der intensive Geschmack von Kirsch und Schokolade erinnert mich an die Schwarzwälder Kirschtorte von meiner Großmutter (Im Familienkreis ist die Torte meiner Oma bekannt für die beste Schwarzwälder Kirschtorte).

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Doch zugeben Manuelas Torte kommt auch sehr nah ran. Nachdem nur noch Krümel auf den Tellern übrig geblieben sind und ich in sehr zufriedene Gesichter schaue, fragt Manuela, ob sie uns geschmeckt hat und dass wir gerne noch ein Stück haben können. Auf die Frage eines Kollegen, welche Zutaten Manuela benutzt habe, antwortet sie, dass die Torte Vegan sei. Und dann passiert die Magie: Plötzlich möchte keiner mehr ein weiteres Stück Torte und beim Weg zurück ins Büro haben meine Kollegen plötzlich von Anfang an gewusst, dass mit der Torte etwas nicht stimmt. Geschmacklos, ja fad sei sie gewesen. Kein Wunder – vegan kann ja nicht schmecken. Ein Grinsen macht sich auf meinen Lippen breit, denn die leeren Teller in der Cafeteria lassen auf etwas anderes schließen. Dass veganes Essen lecker sein kann, scheint für meine Kollegen keine Option zu sein. Mit einem deftigen Wurstbrot in der Hand, das mein Kollege noch in der Tasche hat, untermauert er sein Argument, dass nichts über Fleisch ginge und alles andere sei eben falsch.

Zwei Extreme treffen aufeinander

Die eben beschriebene Situation aus meinem früheren Büroalltag mag etwas zugespitzt klingen, dennoch wird diese Diskussion täglich von zahlreichen Menschen geführt. Es scheint, als wären die Fronten zwischen Veganern und Nicht-Veganern verhärtet. Mich beschäftigt die Frage, wo eine solche Grundeinstellung beider Parteien ihren Ursprung gefunden hat. Beim Schreiben dieses Artikels und der Bezeichnung der beiden Lager habe ich mich unter anderem um eine neutrale Bezeichnung für die Nicht-Veganer bemüht.Vegetarische und vegane Fakten1

Omnivore Lebensformen (Laut Wikipedia: Tiere und Menschen, deren Nahrung sich aus verschiedenartiger Kost aus Pflanzen und Tieren zusammensetzt) oder wie Du bestimmt selbst schon mal erlebt hast: Die Normalen. Doch was ist normal? Ist es normal für einen Menschen Fleisch zu essen? Es gibt Studien, die belegen, dass der Mensch als Allesfresser konzipiert wurde. Andere Studien behaupten, dass sich die Hände des Menschen zum Sammeln von Früchten und Nüssen entwickelt haben und er somit eigentlich ein „Vegetarier“ ist.

Die Tatsache, dass sich viele Menschen bereits seit langer Zeit mit dieser Thematik beschäftigen und zu keiner eindeutigen Aussage finden, unterstützt das Denken in zwei Lager. Dabei scheint es fast so, als finden nur die beiden Extreme Gehör.

Die einen behaupten, als Veganer könne man nichts mehr essen, die anderen rechtfertigen ihre Thesen mit Begriffen wie Massenmörder und Tierquäler. Jeder versucht den anderen von seiner Lebensweisheit zu überzeugen und verurteilt alles andere. Dabei gibt es wie in so vielen Grundsatzdiskussionen immer eine breite Masse, die sich eventuell selbst noch keine Gedanken darüber gemacht hat, sich nicht darum kümmert oder einfach denkt, jeder soll so leben, wie er es für richtig hält. Dennoch fällt es immer schwerer, objektiv einer solchen Frage gegenüber zu stehen. Gerät man in eine Situation, in der man mit diesem Thema konfrontiert wird, fällt es oft schwer objektiv zu bleiben und man versucht seinen Standpunkt zu vertreten. Dabei greift man oftmals auf Aussagen zurück, die man irgendwo mal gehört hat. Aussagen wie „Veganer können ja nichts essen“ und „Fleischesser sind Massenmörder“. Schließlich versucht der Mensch von Natur aus, sich anzupassen und möchte sich einer Gruppe zugehörig fühlen.

Vorbeugung von Volkskrankheiten

Attila Hildmann, selbst Veganer und bekannter Koch, hat (mit seiner unkomplizierten Art, die vegane Küche zu präsentieren) es geschafft, dass immer mehr Menschen Zugang zum Veganismus finden. Er möchte aufräumen mit dem Schubladengedanken, dass Veganer lediglich Moralapostel und Ökofreaks sind. Anlass für seine Umstellung auf eine vegane Ernährung war vor allem der Tod seines Vaters. Dieser ist aufgrund von zu hohen Cholesterinwerten an einem Herzinfarkt gestorben. Und tatsächlich gibt es mittlerweile zahlreiche Studien, die belegen, dass eine vegane Ernährung Volkskrankheiten wie Übergewicht, hohem Blutdruck, Diabetes Typ 2 und hohen Cholesterin-Werten vorbeugen kann.

Vegan – Ein Bewusstsein für Ernährung entwickeln

Ein viel interessanterer Aspekt der veganen Ernährung ist allerdings die Tatsache, dass Du Dich als Veganer in der Regel sehr intensiv mit Deiner Ernährung auseinandersetzt. Viele wichtige Nährstoffe wie B12, Eisen, Zink etc. werden über tierische Nahrungsmittel aufgenommen, da sie dort in großen Mengen vorkommen. Bei einer Umstellung auf eine rein pflanzliche Ernährung musst Du Dir zunächst darüber klarwerden, welche Nährstoffe Dein Körper benötigt und wie Du sie auch ohne tierische Bestandteile aufnehmen kannst.

Dieses neue Bewusstsein hat nichts mit Verzicht zu tun, sondern vielmehr mit einer interessanten Entdeckungstour durch die Welt der Lebensmittel und Geschmäcker. So finden sich plötzlich neue Lebensmittel wie Chia-Samen*, Seitan oder Hanfsamen in Deiner Küche wieder. In Deinen Schubladen stapeln sich plötzlich leckere vegane Süßigkeiten. Oder Du entdeckst plötzlich, dass man bekannte Produkte wie Kokosmilch auch ideal für Suppen, Soßen oder zum Backen verwenden kann. Egal ob aus ethisch motivierten Gründen oder aus gesundheitlichen Aspekten: Die bewusste Auseinandersetzung mit Deiner Ernährung ist eine spannende Reise, die manchmal anstrengend, aber meistens aufregend ist. Es ist der Versuch, der Gewohnheit zu entkommen. Zugegeben nicht einfach, da wir Menschen gerne einen Rhythmus verfolgen und alles was neu ist, zunächst als Anstrengung erscheint. Doch ich kann Dir versichern, dass es sich lohnt.

Dabei geht es nicht darum, jemandem eine bestimmte Ernährung aufzuzwingen. Alleine die Tatsache, sich bewusst zu ernähren und seinen Fleischkonsum zu verringern, deckt meiner Meinung nach sowohl den Aspekt der ethisch motivierten Menschen, als auch der Menschen, die sich gesund ernähren möchten.

 

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